Geschichte der Gemeinde

 

Schon vor Jahrhunderten war Immenthal ein wichtiger Anlaufpunkt auf der Straße von Kempten nach Kaufbeuren. Und auch die Kemptner Fürstäbte schätzten den Landstrich sehr. Erbauten sie in dieser Gegend doch die Burg Liebenthann und das Jagdschloss im Grünegger Wald.

Als das Jagdschloss 1730 bei einem Sturm einstürzte, ließ der Fürstabt Anselm von Reichlin-Meldegg ein neues fürstliches Gebäude im "Thal an der Günz" erbauen, denn die Weiler und Mühlen im oberen Günztal gehörten schon seit dem 14. Jahrhundert zu den Kemptischen Lehen. Fortan wurde dieses Schloss als Jagd- und Sommerresidenz durch die Fürstäbte genutzt. Umfangreiche Wirtschaftsgebäude und ein Brauhaus mit dem Johanniskeller bei Obergünzburg - zur Versorgung des Klerus und der Jagdgesellschaften - vervollständigten den Komplex.

Im Waldrücken südlich von Immenthal lag das Gesundheitsbad Gschleif, heute nur noch als Gedenkstein nachweisbar. Auf dem Weg von Schongau nach Ottobeuren nutzten die Kirchenoberen gerne auch das "Schottenbad" nahe der Kapelle in Albrechts, wo sie immer innehielten.

Mit der Säkularisation 1803 wurde der Kirchenbesitz durch den König privatisiert. Der neue Eigentümer Johann Friedrich machte aus dem Schloss eine weithin bekannte Brauerei, welche 1855 und 1875 von der Familie Gabler aus Obergünzburg übernommen wurde. Hierdurch entwickelte sich aus den umliegenden Weilern die Ortschaft Günzach, welche zur Gemeinde Immenthal gehörte. Noch heute gibt es in Günzach den "Bierweg", welchen die Ochsenkarren nahmen, um das gebraute Bier zu den angeschlossenen 50 Wirtschaften auszufahren.

1806 wurde die Gemeinde Immenthal gegründet. Immenthal, dass bis Anfang des 19 Jhd. eine eigene Hauptmannschaft (damals die kleinste Zusammenfassung zu einer Verwaltungseinheit) war, ist im Stiftkemptischen Salbuch von 1394 als "das Buch ob Ymmenthal" erwähnt. Ein Buchenhain über Immenthal darf als heidnische Kultstätte angesehen werden und verleiht dem Günzacher Wappen als Symbol ein Buchenblatt. Der Brand-Pudel - wieder am Parkplatz beim Anstieg zum Brand dokumentiert - entstand vermutlich ebenfalls aus dieser heidnischen Kultstätte.

Die berühmte Lautenmacher-Familie Gerle stammt aus Immenthal, eine Laute von Hans Gerle aus dem Jahr 1580 liegt im kunsthistorischen Museum in Wien.

In der Kapelle in Mittelberg steht heute noch ein Juwel. Es handelt sich um einen Flügelaltar von Ivo Strigl aus dem 16. Jahrhundert.

Die Erfindung der Eisenbahn brachte einen deutlichen Fortschritt in der Entwicklung der Gemeinde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiel die Entscheidung, dass die Strecke von München nach Lindau über Günzach führen sollte. Mit Eröffnung der Bahnlinie 1853 erhielt Günzach einen Bahnhof und war fortan zentraler Umschlagplatz für alle Wirtschaftsgüter der Umgebung. Schon bald erkannten dies die Günztaler Gemeinden und trieben den Bau einer Eisenbahnlinie von Günzach bis nach Mindelheim voran, um auch von den Vorteilen profitieren zu können. Zur Ausführung kamen diese Bestrebungen jedoch nie. Schon bald musste die Bahnlinie erweitert werden und so hat Günzach noch heute mit 801 m den höchstgelegenen zweigleisigen Durchfahrtsbahnhof Deutschlands.

Beim Bau der Eisenbahnlinie stieß man 1851 etwa 750 Meter nordwestlich des heutigen Bahnhofes Günzach auf altes Gemäuer, einen römischen Gutshof. Nur noch ein Gedenkstein an der Bahnlinie erinnert an die Zerstörung des Gebäudes, vermutlich beim Alemannen-Einfall 233 n. Chr. Beim Weiler Autenried wurden bei Ausgrabungen Überreste eines weiteren römischen Gutshofes gefunden.

In Albrechts selbst - einem der ältesten Weiler der Gemeinde - erforschte und fertigte Karl Hoefelmayer von 1892 bis 1894 den ersten deutschen Camembert, dessen Rezept er aus Paris mitbrachte. Nachdem ihn das Ergebnis zufrieden stellte, wechselte er mit der Produktion in den Süden von Kempten, wo der Camembert immer noch hergestellt wird.

Die Käsküchen sind weitestgehend verschwunden, nur noch in Sellthüren gibt es eine weithin bekannte Käsküche.

In Bahnhofsnähe entstand im Jahre 1923 eine Papierfabrik, die heute noch das Bild der Gemeinde prägt. Hierdurch siedelten sich weitere Gewerbebetriebe an.

1930 wurde die Schlossbrauerei Günzach durch die Familie Gabler geschlossen. In den Gebäuden entstand eine Baumwollspinnerei, die heute noch in Rohr als Bettenhaus mit Zudecken und Kissen aus eigener Fertigung existiert.

Während und auch nach dem Krieg siedelten sich - da als einziges Transportmittel nur die Eisenbahn funktionierte - immer mehr Flüchtlinge und Vertriebene in Günzach an.

Diese brachten die Glasherstellung mit nach Günzach und es entstand die erste "Allgäuer Glasmanufaktur" in den Gebäuden der Schlossbrauerei. Später siedelten die Betreiber nach Kaufbeuren-Neugablonz um, wo ein Zentrum der Glasproduktion entstand.

1953 wurde in Günzach die Kirche "Mariä Himmelfahrt" eingeweiht. Sie und einige Kapellen gehören heute zur katholischen Pfarrei Obergünzburg. Einige Kapellen im Gemeindebereich befinden sich auch in Privatbesitz.

Im Jahre 1969 wurde in Günzach das Gemeindehaus errichtet, in dem heute die Gemeindeverwaltung, der Bauhof und die Feuerwehr untergebracht sind.

Aufgrund der Schwerpunktverlagerung nach Günzach entschlossen sich die Bürger nach der Verwaltungsreform 1975 zu einem Namenswechsel. Seit dem 01.01.1977 nennt sich die Gemeinde Immenthal nun "Gemeinde Günzach" und bildet heute zusammen mit den Orten Obergünzburg und Untrasried die "Verwaltungsgemeinschaft Obergünzburg".

Durch die im oberen Tal, nördlich des Schlosses gelegene Günzquelle bekam Günzach schließlich seinen Namen, wenn auch doppelt. Bedeutet "Günz" (keltisch) doch "fließendes Wasser" und "Ach" (germanisch, wie auch aus dem lateinischen) im Ursprung ebenfalls "Wasser".

Heute gehören zur politischen Gemeinde die Dörfer und Weiler:

Albrechts, Allgay, Autenried, Eggenbühl, Grünten, Günzach, Heimenhalden, Hirn, Immenthal, Lang, Mittelberg, Rudwarz, Rohr, Schöllhorn, Sellthüren, Steig, Stockach, Thal und Upratsberg (siehe auch Ortsnamen der Gemeinde)

Kultur, sowie Gemein- und Vereinswesen sind in Günzach hoch angesiedelt. Sport, Musik, Theater und die Dorferneuerung prägen das Gemeindeleben.

Unzählige Sportarten, darunter auch Breakdance und Einradfahren, werden durch Jung und Alt betrieben. Das anspruchsvolle Gelände im Gemeindegebiet und das Engagement der Radsportler ermöglichen regelmäßig nationale und internationale Radrennen.

Im ehemaligen Schulhaus richtete die "Dorfgemeinschaft e.V." ein kleines Museum mit vielen bemerkenswerten Exponaten ein. Im Rahmen der Dorferneuerung konnte ein Gemeindearchiv auf digitaler Basis angelegt und die Günzquelle zu einem Ort des Verweilens und Entspannens ausgebaut werden.

Der Kindergarten in Günzach wird durch den ersten Bauernhofkindergarten in Immenthal ergänzt. Neuer wichtiger Schwerpunkt in der Gemeinde ist die Seniorenarbeit.

Die Geschichte der Gemeinde lenkten und lenken in Günzach bzw. Immenthal die Bürgermeister:

1900 - 1919 Hoebel Lorenz, Albrechts

1919 - 1945 Wassermann Andreas, Albrechts

1945 - 1956 Hoebel Karl, Immenthal

1956 - 1972 Haneberg Ludwig, Hirnhof

1972 - 1984 Wassermann Andreas, Albrechts

1984 - 1990 Schindele Alois, Mittelberg

1990 - 2002 Häring Georg, Günzach

2002 - 2014 Schröder Brigitte, Günzach

seit 2014 Wilma Hofer

Wer sich mehr für die Geschichte der Gemeinde interessiert, kann sie in der "Chronik Gemeinde Günzach" von Andreas Wassermann und Gerlinde Hantschel nachlesen.

Diese ist in der Gemeindeverwaltung Günzach zum Preis von 21,50 € zu erwerben.

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